Klaus ist jemand, mit dem ich in regelmäßigem Emailkontakt stehe. Unser Gedankenaustausch ist interessant und inspirierend auf beiden Seiten. Vor kurzem stellte er mir die Frage: “Wo liegt der Unterschied zwischen der Magie und den Methoden von z.B. geschäftstüchtigen Bärbel Mohr, Pierre Franckh oder Rhonda Byrne?” 

Und ja, ich kann mir vorstellen, daß bei oberflächlicher Betrachtung die massenmarkttauglichen Bücher von von Mohr/Franckh/Byrne (im Folgenden “MFB” genannt) Ähnlichkeiten zu dem aufweisen, was landläufig “Magie” genannt wird. In Wirklichkeit aber ist der Unterschied zwischen den beiden Lagern riesig.

1) Die Methoden von Mohr und co. vernachlässigen komplett die weltliche Ebene und konzentrieren sich auf Wünschen und Visualisieren. Zumindest Franckh und Byrne raten ja sogar, nach dem “richtigen Wünschen” nichts zu tun, weil die Sache ja schon unterwegs sei. Das steht in krassem Widerspruch zur echten und von Ethnologen untersuchten Zauberei überall auf der Welt, bei der IMMER weltliche Aktionen UND magische Aktionen Hand in Hand gehen. Außerdem gibt es Studien namhafter und glaubwürdiger Wissenschaftler, die belegen, daß bloßes Visualisieren/Wünschen a la MFB die Erfolgsrate drastisch *senkt* (weil aktive, praktische Schritte in Richtung Ziel unterlassen werden) bzw. die Praktizierenden trotz geringer Erfolgschance an Erfolg glauben läßt (und dementsprechend eventueller massiver Enttäuschung Tür und Tor öffnet) .

2) Bestellungen beim Universum, richtiges Wünschen und „The Secret“ vernachlässigen die spirituelle Ebene des Menschen komplett. In der Magie gibt es das sogenannte “Große Werk” (die Alchemie umschrieb es damals mit der Metapher, Blei in Gold zu verwandeln — gemeint war damit, daß der Mensch in ein höheres, moralisch besseres Wesen transformiert werden sollte). Sowas kommt bei M/F/B nicht vor.

Der heilige Petrus. Wer genauer hinsieht, bemerkt die Schlüssel, die an die Statue gebunden wurden. St. Petrus gilt beispielsweise im Hoodoo als Öffner der Türen und Portale — sprich: Ihm kommt eine ähnliche Aufgabe zu wie Ganesha, dem Sohn Shivas. Den meisten Katholiken stehen die Haare zu Berge, wenn sie mit der Heiligen-Interpretation anderer spiritueller Schulen konfrontiert werden.

3) Die Arbeit mit Geistwesen gehört zur Magie, wie sie wirklich überall auf der Welt praktiziert wird, wie die Blätter zum Baum. Schamanismus ist schätzungsweise 40.000 Jahre alt — und arbeitet fast ausschließlich mit Wesen aus der Anderwelt. Der Erfolg gibt ihm recht. So was fehlt bei M/F/B komplett.

4) Magie ist ein umfassendes System, das Meditation, Energiearbeit, Arbeit an sich selbst, den Glauben und den Kontakt an ein Höheres Wesen (oder Prinzip) und mehr umfaßt. All diese Dinge sind seit tausenden von Jahren als äußerst positiv bekannt — und kommen bei den oben genannten Esoterikern nicht vor. Magie ist viel, viel mehr als nur das, was “praktische Magie” (Methoden, um Veränderungen in der Realwelt zu erreichen) genannt wird. Es ist ein System, das hohe spirituelle Arbeit und bodenständige Chancensteigerung vereint. Mehr zu empfohlenen spirituellen Praktiken in einem meiner nächsten Artikel.

5) Nicht umsonst gibt es in jeder Religion zaubertätige “Meister”, sei es im tantrischen Buddhismus (Künzang Dorje), im Christentum (Rasputin) oder in anderen. Ich würde sogar argumentieren, daß die Beschreibungen von Jesu’ “Wunderheilungen” astreine magische Praktiken beschreiben. Ich bin überzeugt: Jesus war Zauberer. Dieser Meinung sind beispielsweise auch Hoodoo-Praktizierende. Einer der vielen Beweise für Rituale aus der ägyptisch-magischen Tradition, mit der Jesus höchstwahrscheinlich gut vertraut war, findet sich in Johannes 9, 6-7:

„Er spuckte auf die Erde, rührte mit dem Speichel einen Brei an und strich ihn auf die Augen des Blinden. Dann forderte er ihn auf: ‘Geh jetzt zum Teich Siloah, und wasch dich dort.’ Der Blinde ging hin, wusch sich, und als er zurückkam, konnte er sehen.” 

Warum sollte Jesus als Sohn Gottes nicht einfach einem Blinden die Hand auflegen oder ein Wort sprechen, um ihn komplett zu heilen? Warum das Vermischen von Erde und Speichel? Ganz einfach: weil genau das ein zu seiner Zeit bekanntes Heilritual (= Magie) aus Ägypten war. Was ich also damit sagen will: Magie ist ein natürlicher Bestandteil jeder Religion und somit fast automatisch größer, bedeutender und edler als jeder Esoterikbestseller. Katholiken, denkt beispielsweise mal drüber nach, was es wirklich bedeutet, wenn der Pfarrer im Gottesdienst Brot und Wein zu „Fleisch und Blut“ Jesu verwandelt! Das ist Magie, schlicht und einfach. Der Trennstrich zwischen Magie und Religion ist streng genommen eigentlich gar nicht zu ziehen, weil es ihn nicht gibt.

 Dieser Macumba-Altar vereint katholische Heilige mit afrikanischen Göttern und Heiligen. Es ist diese respektvolle Freimütigkeit im Umgang mit dem Heiligen, die Magie auszeichnet. Verständlich, denn sowohl das amerikanische Hoodo als auch das afrikanische Voodoo und das brasilianische Macumba entstanden, als afrikanische Sklaven von katholischen Machthabern gezwungen wurden, ihre Religion aufzugeben. Sie praktizierten sie weiterhin, allerdings im katholischen Gewand, und so entstanden faszinierende und enorm wirksame spirituell-magische Systeme. 

Deshalb: Habt keine Scheu, mit Heiligen zu sprechen oder sie um Hilfe zu bitten. Ich weiß, für uns Menschen in Bayern ist das einfach 🙂 Versucht es, und gebt euch Zeit. Habt Geduld, und ihr werdet Erfolg haben.

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