Immer wieder hören wir in esoterischen und spirituellen Kreisen von bevorstehenden Dimensionswechseln, neuen Zeitaltern, Energieströmen und ähnlichem mehr. Offensichtlich haben einige Leute das Gefühl, daß das Zeitalter des Wassermanns — Wahrheit, Gerechtigkeit, Bionahrung, Atomwaffenabbau und Frieden allüberall — direkt, morgen oder so, zu uns kommt. Andererseits kann nicht mit letztendlicher Sicherheit ausgeschlossen werden, daß das Neue Zeitalter von radioaktiven Kannibalenzombies beherrscht werden wird. 🙂

Das 21. Jahrhundert ist intensiv damit beschäftigt, die Titanen auferstehen zu lassen — jene urmächtigen, ursprünglichen Erbauer unseres Kosmos, die in verschiedenen Mythologien auftauchen — als Riesen im germanischen Schöpfungsmythos, als Titanen („Τιτάνες“) in den griechischen Mythen, als Asuras in den indischen Sagen. Laßt uns an dieser Stelle nicht vergessen, daß Sagen ausnahmslos einen wahren Kern besitzen. Wenn, und das ist das Zauberwort (ha!) hier, wenn wir uns darauf einlassen.

Sobald diese titanischen Kräfte ihre Arbeit vollbracht haben, werden sie aus dem nunmehr geordneten Kosmos verstoßen, der dann von anderen Wesen bevölkert wird. Aber deswegen sind die Titanen nicht verschwunden, sie sind trotzdem immer DA, am Rande unseres Wahrnehmungshorizonts, an der Schneide der Wirklichkeit. Diese Titanen, zerstörerisch und schöpferisch zugleich, tauchen immer wieder als literarische Themen auf: der Konflikt zwischen Vernunft und rohem Instinkt. Der Hohepriester dieser Thematik ist zweifellos der Autor H.P. Lovecraft, dessen „Große Alte“ eine dauerhafte Faszination auf Okkultisten auszuüben scheinen, begleitet von anderen Pantheons dunkler, toter oder sonstiger anderweitig ungewöhnlicher Götter.

Der Sagenkreis der Titanen steht für die katabolen Kräfte, die für Veränderung in jedem System verantwortlich sind — auf kosmischer und subatomarer Ebene. Sind sie im Gleichgewicht, glauben wir, daß sie schlafen. Wenn allerdings ein System sich bis zu einem bestimmten Grad der Komplexität entwickelt hat, wird es zusehends instabil. Dies führt dann entweder zur Evolution auf einer höheren Eben, oder eben zum Zusammenbruch. Ein gutes Beispiel für titanische Kräfte und durch sie verursachte massive Veränderungen ist die derzeitige politische Lage auf der Welt.

Zu Krisenzeiten sind die Titanen aktiv oder werden aktiver: immer dann, wenn große Instabilität vonnöten ist, damit sich der evolutionäre Sprung vollziehen kann. Kernkraft ist so eine Technologie, die plötzlich den Zugang zum ursprünglichen Chaos der Titanen ermöglicht. Die Tore sind weit geöffnet, und die Evolution aller in dieser Biosphäre lebenden Wesen ist davon betroffen.

In dem Maße, in dem die Kraft der Titanen wieder auf die Erde zurückkehrt, wächst die Mitgliederzahl der Priesterschaft, die sie verehrt — machtbesessene Politiker und Unternehmer und ihrer Statthalter. Wie die inzüchtigen bösen Magier des Cthulhu-Mythos glauben auch sie, daß die Titanen kontrolliert werden können, daß sie das Rüstzeug dafür besitzen, nukleare und menschliche Kräfte gefahrlos zu kontrollieren. Die aktuelle Völkerwanderung, die bestehenden westlichen Wohlstand und Menschenleben auf beiden Seiten massiv bedroht, angeheizt durch gewissenlose Politiker, religiöse Führer und Schlepperorganisationen, und die letzten beiden großen atomaren Katastrophen (Chernobyl und Fukushima) sind erschreckender Beweis dafür.

Denn genau das ist das Problem: Die Titanen sind völlig amoralisch (nicht unmoralisch). Sie besitzen keine menschliche Intelligenz (sondern eine andere, weit ältere). Menschliche Denk- und Gefühlswelten bedeuten ihnen nichts. Der einzige Interaktionspunkt mit ihnen sitzt in unserem Reptiliengehirn, dem ältesten Teil unseres Hirns, in dem unser vorverbalen Atavismen und Instinkte beheimatet sind.

Wir nennen die von den Titanen verursachte Evolution des Bewußtseins „Titanen-Gnosis“. Die Erkenntnis wächst, daß das Überleben der Menschheit alle Grenzen übersteigt, ideologische und kulturelle; daß es notwendig ist, mit der Natur zu leben anstatt sie zu vernichten. Es scheint, als bewegten sich die Titanen in ihrem totengleichen Schlaf, umso mehr, je mehr Menschen aufwachen und die Notwendigkeiten begreifen.

Das Schwierige dabei ist, daß wir die Titanen brauchen, wenn wir den nächsten evolutionären Sprung erfolgreich (im Sinne von für die gesamte Menschheit erfolgreich) schaffen wollen. Ohne sie geht es nicht — und das ist gleichzeitig die große Gefahr für uns alle.

Visionäre, Träumer und Zauberer sind sich der Titanen-Gnosis bewußt. Viele von ihnen arbeiten aktiv daran, ihre Aktivitäten und Energien in eine positive Richtung zu lenken. Es ist be(un)ruhigend, daß alle unsere Aktivitäten, sei es positives Denken, Magie oder politische Arbeit, nur bedingt hilfreich sind. Die Titanen formen das Gefüge der Wirklichkeit selbst, sie sind die Wirklichkeit.

Anmerkung: Dieser Aufsatz wurde nach einer Reihe von Meditationen und Zeremonien geschrieben, die sowohl vor, als auch nach dem atomaren Großunfall von Chernobyl stattgefunden hatten.

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