“Autsch!”, sagte Pu, als er auf dem Boden landete.
“Das passiert, wenn man sich an der Kante eines Schreibtisches Schlafen legt”, sagte ich, “man fällt runter.”
“Ist schon gut so”, sagte Pu.
“Warum?”, fragte ich.
“Ich hatte einen schlimmen Traum”, sagte er.
“Oh?”
“Ja. Ich hatte einen Topf mit Honig gefunden”, sagte er und rieb sich die Augen.
“Was soll daran schlimm sein?”, fragte ich.
“Er hat sich dauernd bewegt”, sagte Pu, “normalerweise bewegen sie sich nicht. Normalerweise stehen sie still.”
“Ja, ich weiß.”
“Aber immer, wenn ich danach griff, bewegte sich dieser Honigtopf woanders hin.”
“Ein Alptraum”, sagte ich. “Viele Menschen haben solche Träume”, fügte ich beruhigend hinzu.
“Oh”, sagte Pu, “Träume von unerreichbaren Honigtöpfen?”
“Träume in der selben Art”, sagte ich, “das ist nicht selten. Das Seltsame ist aber, daß manche Menschen auch so leben.”
“Warum?”, fragte Pu.
“Keine Ahnung”, sagte ich, “ich vermute, weil es ihnen etwas gibt, womit sie sich beschäftigen können.”
“Hört sich für mich nach wenig Spaß an”, sagte Pu.

(“Tao Te Pu”, von Benjamin Hoffmann, meine Übersetzung)

Medizin für das schwächliche Kind

 

 

 

 

 

 

Karma:
Zügel für das kindliche Ego, das “Böses” tun möchte.

Reinkarnation:
Sicherheitsnetz für das kindliche Ego, das das Ende der falschen Identität befürchtet.

Personifizierte Götter:
Ob nun Gott, Unendliche Energie oder irgendein anderer Name, der dem Unbeschreiblichen gegeben wird und den man anschließend um Hilfe bittet, dient als Elternersatz oder Wächter über das schwächliche Ego.

Guru:
die Person, die einen von der Dunkelheit ins Licht führen soll, also auch Priester, Rabbis oder andere spirituelle Führer, ist nichts anderes als das Ego, das zugibt, klein zu sein, aber später mal groß werden will.

Mantra:
Alles von “Om” über “Om mani padme hum”, “Herr Jesus Christus, sei mir gnädig” oder positives Denken ist der Versuch des Egos, sich an etwas Falsch-Positivem festzuklammern.

Satsang:
Das Beisammensein mit weisen Menschen ist nur das schwache Ego, das nach jemandem Ausschau hält, den es für besser hält, und der ihm sachte den Kopf tätscheln soll, mit den Worten: “Alles gut, du bist in Ordnung”.

Meditation:
Das Ego, das in einen Zustand eintritt, den es ständig aufrecht erhalten mag, egal bei welchen Tätigkeiten. Das Ego weigert sich, Veränderung und den Fluß der Dinge anzunehmen, weil es so zerbrechlich ist. Und sucht deswegen nach einem Ort, an dem keine Bewegung stattfindet.

Religion:
Das kindliche Ego, das sich wünscht, sich mit dem wiederzuvereinen, von dem es nie getrennt war.

Yoga:
Das kindliche Ego, das sich wünscht, das unter ein Joch zu zwingen oder sich mit dem zu vereinen, von dem es nie getrennt war.

 (Danke an meinen Kollegen Son Beam)

Spiritualität: Was wirklich was taugt

Wißt ihr, ich bin seit etwas mehr als 30 Jahren in der spirituellen „Szene“ involviert; sowohl als Schüler als auch als Lehrer. Ich war in vielen verschiedenen Schulen aktiv, Nordisches/Germanisches Heidentum, philosophischer Daoismus, Zen, Westlicher Zen und Magick (das echte Ding mit einem ‚ck‘), Hinduismus, Volkschristentum, Dudeismus, Buddhismus (Dharma Punx FTW!) und Stoizismus.

Wenn die Sonne scheint, funktioniert jedes System perfekt. Keine Probleme, kein Nageltest, sozusagen. Alles sieht gut aus, wenn es nicht regnet.

Aber in den dunkelsten, dunkelsten Zeiten meines Lebens, in Leben-oder-Tod-Situationen, was mir da geholfen hat, waren genau zwei Dinge: Magie und Dudeismus / Daoismus.

Magie – weil sie mir hilft, Wahrscheinlichkeiten zu verschieben, die Chancen zu vergrößern, die Waage zu meinen Gunsten anzustoßen. Und Magie, weil sie mir hilft, ganz nahe an Götter und andere körperlose Wesen zu kommen. Was sehr hilfreich ist, um es gelinde auszudrücken.

Dudeismus – weil er mir Bodenhaftung gibt, mich sagen läßt: „Weißt du was, Schicksal / Gott / Götter? Fickt euch, euch alle. Ich bleibe hier, und ich werde tun, was mir hilft, daß es wieder besser wird. „Ich kann mir über diesen Scheiß keine Sorgen machen. Das Leben geht weiter, Mann.“

Warum schreibe ich das?

Weil unsere Zwillingsmädchen (2 Jahre) heute seit 7 Stunden schreien, weinen, beißen und kratzen. Seit. Sieben. Verfickten. Stunden. Das passiert sehr oft. Und nichts, keine Strategie, kein psychologischer Trick, kein verdammtes Nichts, hilft. Außer Magie, um mich zu erden und zu sehen, dass es sinnlos und herzlos ist, zu überreagieren, und Dudeismus, weil ich akzeptieren muss, daß das Trotzalter tatsächlich eine schreckliche Phase im Leben unserer Kinder ist.

Danke fürs Zuhören.

Echte Liebe

Leider kenne ich den Namen des Künstlers nicht.

Meine religiöse Basis ist „der Hinduismus“. Basis deswegen, weil ich voll und ganz daran glaube und diesen Glauben auch praktiziere. Und in Anführungszeichen deswegen, weil es „den Hinduismus“ ja nicht gibt, er ist nur ein westlicher Sammelbegriff für tausende von Religionen, die in Indien praktiziert werden. Fast allen ist ihnen gemein, daß sie an die Existenz der Seele glauben. Die ist schwer zu definieren, vielleicht könnte man sie als „Lebensfunke“ bezeichnen. Die Seele schlüpft bei der Geburt eines Wesens in den Körper eben dieses Wesens und „beseelt“ ihn.

Jede Seele ist in Wirklichkeit ein Teil des Göttlichen, ein Teil Gottes. Wenn sich zwei Lebewesen ineinander verlieben, dann erkennen sich die Seelen der beiden wieder — denn in Wirklichkeit, jenseits der Körper, die wir gerade tragen, kennen wir die Menschen, mit denen wir in Liebe verbunden sind, schon seit unzähligen Jahrmillionen. Seit Millionen von Wiedergeburten kennen wir uns. Diese Liebe zieht sich durch unsere Wiedergeburten, bleibt bestehen. Und irgendwann, irgendwann, treffen wir dann wieder auf die Seele(n), die wir seit Anbeginn aller Zeiten lieben. Das obige Bild wirkt beispielsweise auf Mexikaner überhaupt nicht beunruhigend. Ihre Kultur behält den Tod, das Sterben, im täglichen Andenken. Wir Deutschen haben da so unsere Probleme damit. Wir möchten unser Leben möglichst so verbringen, daß wir mit Tod nichts zu tun haben. Um Gottes Willen! Nur weg damit. Dabei hat die Akzeptanz des Todes (der nichts anderes ist als das Gegenteil des Lebens, also völlig natürlich) die erstaunliche Eigenschaft, uns gefestigter und ruhiger zu machen. Nicht umsonst meditieren und kontemplieren auch christliche Mönche, ihren hinduistischen und buddhistischen Kollegen gleich, über unsere Vergänglichkeit.

Mir gefällt das Bild so gut, weil es zeigt, daß Liebe zeitlos ist. Selbst, nachdem wir gestorben sind (die Skelette als Symbol dafür), lieben und lachen und feiern wir weiter. Nur halt woanders, in einem anderen Körper.

Mantras tun gut und Gutes.

Mantras sind eine uralte spirituelle Methode aus dem Hinduismus. Das Wort kommt aus dem Sanskrit und besteht aus zwei Teilen: „man“ (übersetzt: „denken“ oder auch „Geist“) und „tra“ (übersetzt: „Werkzeug“). Die wörtliche Übersetzung von Mantra lautet also „Werkzeug des Geistes“. Manche Sprachenkundler übersetzen es auch mit „Schutzschild des Geistes“. Beides trifft die Wirkung eines Mantras sehr gut.

Mantras gibt es in den vielfältigsten Formen, manche sind sehr kurz (beispielsweise das universelle und weltweit bekannte „OM“), und manche sind ganze Sätze lang. „OM NAMAH SHIVAYA“ ist beispielsweise ein anderes kurzes Mantra, das der lebenslustigen Inkarnation Gottes, die „Shiva“ genannt wird, Ehrerbietung darbringt.

Es gibt auch Mantras aus anderen Kulturkreisen. Eines der bekanntesten ist wahrscheinlich das Herz-Jesu-Gebet, das die hiesigen Katholiken von den Russisch-Orthodoxen Glaubensgemeinschaften übernommen haben. Es lautet „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“. Variationen davon gibt es viele. Wozu soll ein Mantra gut sein?

Im Hinduismus, aber auch in allen anderen schamanisch orientierten oder mystischen Religionen, gehen wir davon aus, daß es „grobstoffliche“ und „feinstoffliche“ Energien gibt. Grobstoffliche Energien sind Energien mit geringer Bewegung, mit kleiner Amplitude, und sie tendieren deswegen eher dazu, sich als greifbare Körper zu manifestieren. Feinstoffliche Energien schwingen stärker, sie haben mehr Amplitude, und sie werden nicht zu greifbaren Körpern.

Alles das, was in den verschiedenen Religionen und im Schamanentum als „Götter“ oder „Geistwesen“ bezeichnet wird, ist auf der feinstofflichen Ebene zu finden. Deshalb erleben wir Götter und andere Wesen auch nur, wenn wir unsere Wahrnehmung geschärft und verändert haben. Die feinstoffliche Ebene gilt als der Ursprung, zu dem wir alle am Ende unserer Leben wieder zurückkehren. Mantras erleichtern uns, von den grobstofflichen Ebene zur feinstofflichen zu blicken und sie zumindest teilweise zu fühlen. Wenn wir das Mantra intensiv genug ausführen, merken wir, wie sich unser Geist öffnet, eine tiefe Ruhe eintritt und das in uns zu leuchten beginnt, was immer schon da war: die Liebe, oder wie die Mystiker sagen, „der Geist Gottes“.

Wie sagt man denn jetzt Mantras?

Am besten ist es, Sie kaufen sich eine Mala, eine Gebetskette. Ein Rosenkranz oder ein russisch-orthodoxer chotki sind natürlich auch Gebetsketten. Die hinduistische oder buddhistische Version hat 108 Perlen.

Jetzt suchen Sie sich ein Mantra aus, das Ihnen zusagt. Ich gebe Ihnen hier eine kleine Auswahl. Wenn Sie sich näher dafür interessieren, gibt es online viele, viele brauchbare Quellen dazu.

Aus dem Hinduistischen:

OM (OM ist der Klang des Universums)

Sri Ram, Jai Ram, Jai, Jai, Ram – (Geliebter Gott, ich verehre dich)

Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna, Krishna, Hare, Hare. Hare Rama, Hare Rama, Rama, Rama, Hare, Hare

Om Namah Shivaya

Aus dem Buddhistischen:

Om mani padme hum – (Ich verbeuge mich vor dem Juwel im Lotus des Herzens)

Aus dem Christlichen:

Herr Jesus Christus, sei meiner gnädig.

Gegrüßet seist du Maria voll der Gnaden, du bist gebenedeit unter der Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Nehmen Sie nun die Gebetskette in eine Hand. Im Hinduistischen nehmen wir traditionell die rechte Hand, aber das ist nicht so wichtig. Am einfachsten ist es, wenn Sie die Kette über den Mittelfinger legen. Jede Gebetskette hat einen „Anfang/Ende“. Das ist bei den christlichen Varianten das Kreuz, und bei den hinduistischen/buddhistischen die große Perle, die „Lehrer/Gott/Guru-Perle“ genannt wird. Fangen Sie mit der ersten Perle über dem Kreuz oder der Gott-Perle an.

Sprechen Sie das Mantra einmal. Gleichzeitig oder danach schieben Sie die Perle mit dem Daumen nach unten, so daß die gesamte Gebetskette in Ihrer Hand um eine Perle weiter nach unten rutscht.

Wiederholen Sie das mit der nächsten Perle und der nächsten, und so weiter.

Wenn Sie an der Gottesperle angekommen sind, sprechen Sie das Mantra NICHT, sondern drehen Sie die Kette in Ihrer Hand um und beginnen dann wieder von vorne. Der Grund für diesen Schritt: Es gehört sich nicht, Gott symbolisch zu „übergehen“.

Wenn Sie das Mantra blutleer und ohne Enthusiasmus, mechanisch wiederholen, wirkt es nicht. Diese uralte spirituelle Technik ist ein Werkzeug, das ohne Sie nicht funktioniert. Ein Mantra ist kein Zauberspruch, sondern eine Methode, die Ihnen hilft, sich (Vorsicht, jetzt wird’s kitschig) „eins mit allem“ zu fühlen. Dazu aber gehört Ihre Entschlossenheit.

Lohnt sich das denn?

Oh ja, oh ja! Sehr sogar. Geben Sie dieser bewährten Technik eine Chance. Probieren Sie sie ernsthaft aus, mindestens einen Monat lang jeden Tag zehn oder fünfzehn Minuten lang. Wichtig ist, daß Sie ein Mantra nehmen, mit dem Sie sich wohl fühlen, das sich gut anfühlt. Und dann setzen Sie sich aufrecht hin, ungestört, und sprechen das Mantra.

Erfahrungsgemäß dauert es zwei bis drei Wochen, bis ganz deutlich spürbare Wirkungen eintreten: innere Ruhe, Zufriedenheit, eine Freude, die aus Ihnen selbst kommt, Friedlichkeit und, natürlich, Liebe.

Ich wünsche Ihnen alles, alles Gute damit!